Russian gov’t to view law on Kaliningrad today

RosBusinessConsulting Database
April 14, 2005 Thursday 1:54 am, EST

Russian gov’t to view law on Kaliningrad today

The Russian government will consider draft federal laws on the
special economic zone in the Kaliningrad region, on ratification of
an agreement between the governments of Russia and Armenia for
encouragement and mutual protection of capital investments, and on
ratification of an agreement between the governments of Russia and
the Republic of Yemen for encouragement and mutual protection of
capital investments. Economy minister German Gref will deliver a
report on the issues. The government is also expected to handle the
law on state registration of municipal establishments.

Furthermore, the cabinet will discuss the issue of appropriating
money from the government’s reserve fund to the culture ministry and
from the government’s reserve fund for prevention and liquidation of
emergencies and consequences of natural disasters to the government
of the Chechen Republic and administration of the Kaliningrad region.

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

Haigazian: David Barsamian lectures at Haigazian University

PRESS RELEASE
Mira Yardemian
Public Relations Director
Haigazian University
Rue Mexique – Kantari
P.O. Box 11-1748
Riad El-Solh 1107 2090
Beirut – Lebanon

David Barsamian lectures at Haigazian University:
Breaking Media Monopoly

“Information is central for a good functioning Democracy” said
Mr. Barsamian, an American freethinking activist, founder and director of
“Alternative Radio” that broadcast independent and award winning weekly
series, based in Boulder, Colorado,
During a lecture organized by the Heritage Club, on April the
5th , 2005 at Haigazian University, David Barsamian introduced the audience
with the mechanism by which the American Media functions. In fact, 5 big
corporations dominate the US media, which are: AOL, NewsCorp, Disney, GE,
and Viacom. These corporations have direct impact on media agencies, such
as, Time Warner (CNN), Fox, ABC, NBC, and CBS.
Barsamian noted that Information is central for a good
functioning Democracy, and journalism itself needs a broad spectrum of
information, therefore was the need of creating the “Alternative Radio”, a
medium to provide a counter narrative to the news broadcasted by these few
news agencies.
Barsamian named several independent news agencies in the
States, which work with small budgets, yet try to present different points
of view from different perspectives, like Indy Media, Community Radio, Free
Speech TV, Democracy Now, South End Press, and Alternative Radio.
Barsamian is a radio producer, journalist, author, and
lecturer. He co-authored several books with Noam Chomsky, Eqbal Ahmad,
Edward Said and others.

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

Giordano: Tuerkei sollte “Voelkermord an Armeniern” anerkennen

Deutsche Presse-Agentur – Europadienst
14. April 2005

Turkey should recognize the Genocide of Armenians

Giordano: Tuerkei sollte “Voelkermord an Armeniern” anerkennen

Koeln

90 Jahre nach dem “Voelkermord an den Armeniern” hat der
Schriftsteller Ralph Giordano die Tuerkei zur Anerkennung der Taten
aufgefordert. “Solange die Tuerkei bei der Politik der Verneinung
bleibt, sind die Daemonen der Vergangenheit nicht vertrieben”, sagte
Giordano am Mittwoch zum Auftakt einer Veranstaltungsreihe zum 90.
Jahrestag der Massenmorde im Koelner Lew- Kopelew-Forum. Zugleich
kritisierte der Schriftsteller, dass es in Deutschland bisher noch
keinen gemeinsamen Antrag von Regierung und Opposition zur
Verurteilung des Voelkermordes gebe. Die Tuerkei lehnt die
Bezeichnung der damaligen Geschehnisse als Voelkermord ab – im
Gegensatz etwa zu Frankreich.

Bislang hat nur die CDU/CSU einen entsprechenden Antrag im Bundestag
eingereicht. Damit habe sie zum ersten Mal seit 90 Jahren das
Schweigen ueber den “Voelkermord” gebrochen. Der Grund, dass sich die
Regierung zurueckhalte, sei ein geplanter Besuch des Kanzlers in der
Tuerkei, sagte Giordano. Eine Aussoehnung der beiden Voelker koenne
es nur auf der Grundlage politischer Aufrichtigkeit geben. “Bis heute
entbloedet sich die Tuerkei jedoch nicht, das Geschehen umzukehren”,
sagte Giordano, der 1986 fuer die ARD eine Dokumentation zu dem
Massenmord produziert hatte. Sie spreche von einem “gegenseitigen
Massaker”.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatten im Jahr 1915 tuerkische
Truppen Armenier in Hungermaerschen in die Syrische Wueste getrieben.
Nach armenischen Angaben kamen 1,5 Millionen Menschen ums Leben, nach
Angaben internationaler Historiker 600 000 bis 800 000 Menschen.

Mit der Veranstaltungsreihe im Koelner Lew-Kopelew-Forum soll der
Voelkermord wieder ins Gedaechtnis gerufen werden. Zu sehen ist unter
anderem bis zum 25. Mai die Ausstellung “Lost landscapes, lost
visions – verlorene Umkehr” der armenischen Kuenstler Albert Vardayan
und Vahan Topchyan, die sich in Skulpturen, Zeichnungen und
Aquarellen mit der Vergangenheit ihres Volkes auseinandersetzen. dpa
lud zl yynwk mh

Turkei kritisiert Europeer im Armenien-Streit

Frankfurter Allgemeine Zeitung
14. April 2005

Turkey criticizes Europe over Armenian controversy

Türkei kritisiert Europäer im Armenien-Streit

ANKARA, 13. April (dpa). Die Türkei hat 90 Jahre nach dem Beginn der
gewaltsamen Vertreibung der Armenier im Ersten Weltkrieg an die
Parlamente in Deutschland und anderen Ländern appelliert, von einer
Wertung der Greueltaten als Völkermord Abstand zu nehmen.

“Alle diese Anträge verletzen uns und führen in der türkischen
Öffentlichkeit dazu, die Absichten von verbündeten Ländern mit
Fragezeichen zu versehen”, sagte der türkische Außenminister Gül am
Mittwoch in einer Parlamentsdebatte. Derartige Initiativen leisteten
zudem “keinerlei positiven Beitrag” zur Zukunft der
türkisch-armenischen Beziehungen. Gül bezog sich dabei auch auf den
Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, den sie zum 90. Jahrestag am
24. April eingebracht hat. Parlamente seien als Einrichtungen
ungeeignet, ein Urteil über geschichtliche Ereignisse zu fällen,
sagte Gül. “Die Geschichte können nur Historiker beurteilen.” In dem
Antrag der CDU/CSU-Fraktion vom 22. Februar heißt es, am 24. April
1915 “wurde auf Befehl der das Osmanische Reich lenkenden
jungtürkischen Bewegung die armenische politische und kulturelle
Elite Istanbuls verhaftet und ins Landesinnere verschleppt, wo deren
größter Teil ermordet wurde”. Den Deportationen seien 1,2 bis 1,5
Millionen Armenier zum Opfer gefallen. Der türkische
Ministerpräsident Erdogan plädierte für mehr Offenheit im Streit über
die Massaker an den Armeniern. “Wer die Geschichte mit Vorurteilen
betrachtet, den können wir nicht ernst nehmen”, sagte Erdogan. In der
Geschichte der Türkei gebe es kein Kapitel, “dessen wir uns schämen,
das wir verdrängen, vergessen oder vertuschen müßten”.

Massaker an den Armeniern Last der Vergangenheit – Keine Denkmaeler

Schweizerische Depeschenagentur AG (SDA)
SDA – Basisdienst Deutsch
14. April 2005

Massacre of Armenians in the past – No Armenian monuments in Turkey’s
past

Massaker an den Armeniern Last der Vergangenheit – Keine Denkmaeler
fuer Armenier in der Tuerkei Hintergrund

Von Ingo Bierschwale, dpa

Istanbul

Denkmaeler, die an Graeueltaten “armenischer Banden” an der
muslimischen Bevoelkerung erinnern, werden in der Tuerkei noch immer
errichtet. Fuer die bis zu 1,5 Millionen Opfer der Massaker an den
Armeniern erinnert auch 90 Jahre nach Beginn der Vertreibungen kein
einziges Denkmal.

“Auch ich habe meine Vorfahren verloren, aber ich kann ihrer am 24.
April nicht gedenken”, sagt Hirant Dink, Chefredaktor der armenischen
Wochenzeitung Agos bei einer Anhoerung im tuerkischen Parlament.

“Wie sehr wollen Sie Ihrer Geschichte denn noch gedenken?”, lautete
die Antwort einer Abgeordneten der islamisch-konservativen
Regierungspartei AKP. “Sie haben doch ueberall in der Welt Denkmaeler
aufgestellt.”

Reizthema

Je mehr der Druck in diesem Jahr auf die Tuerkei zunimmt, desto
aufgeregter wird das Thema auch in der tuerkischen Oeffentlichkeit
diskutiert. Wer allerdings, wie der tuerkische Schriftsteller Orhan
Pamuk, im Streit um die Anerkennung der Massaker als Voelkermord von
der offiziellen Linie der Leugnung eines Genozids an den Armeniern
abweicht, begibt sich in Gefahr.

Pamuk, der mit seinem Ausspruch: “In der Tuerkei sind 30 000 Kurden
und eine Million Armenier getoetet worden”, heftige Reaktionen
nationalistisch gesinnter Tuerken auf sich gezogen hat, ist
vorsichtshalber abgetaucht.

Fuer den Praesidenten der Tuerkischen Historischen Gesellschaft,
Yusuf Halacoglu, ist der “angebliche Genozid” schlicht eine
“armenische Luege”. “Wenn 1,5 Millionen Armenier umgebracht worden
sein sollen und diese jeweils zu 500 vergraben wurden, macht das 3000
Massengraeber. Wo sind diese Massengraeber?”

Einseitigkeit?

Andersdenkenden, wie Halil Berktay von der Istanbuler
Sabanci-Universitaet, der die Deportationen in der Endphase des
Osmanischen Reiches als “ethnische Saeuberung” bezeichnete, haelt er
vor, “kein einziges Mal die osmanischen Archive aufgesucht zu haben
und auch kein Osmanisch zu koennen”.

Auf eine gruendliche Auswertung aller Archive, nicht nur in der
Tuerkei, setzt auch die Regierung in Ankara, die der Ansicht ist,
dass die ganze historische Wahrheit noch nicht ans Tageslicht
gekommen ist.

“Ich bin ueberzeugt, dass es kein Kapitel in unserer Geschichte gibt,
dessen wir uns schaemen, das wir ignorieren, vergessen oder
vertuschen muessten”, sagte Ministerpraesident Recep Tayyip Erdogan
am Mittwoch vor einer Parlamentsdebatte zum Thema “Geschichte der
tuerkisch-armenischen Beziehungen”.

“Kampagnen”

“Aus der Luft gegriffene Kampagnen”, mit denen die Tuerkei gezwungen
werden solle, die Massaker an den Armeniern als Voelkermord
anzuerkennen, fuehrten zu nichts, hatte Erdogan bereits frueher
gemeint.

Daher ist kaum anzunehmen, dass Parlament und Regierung eine Anregung
des Universitaets-Professors Berktay auch nur in Betracht ziehen
koennten, naemlich zu sagen: “Wir bedauern diese historischen
Ereignisse”, auch wenn die Tuerkei fuer die Geschehnisse von 1915
nicht verantwortlich gemacht werden koenne. Die Entstehung aller
Nationalstaaten sei von schmerzlichen und dunklen Kapiteln
gekennzeichnet.

In einer Tuerkei, die gerade dieser Tage eine neue nationalistische
Aufwallung erlebt, duerften diejenigen, die die Vertreibung der
Armenier zu rechtfertigen suchen, groesseres Gehoer finden. “Das war
ein Krieg und natuerlich gab es dabei Tote”, schrieb der
“Huerriyet”-Kolumnist Emin Coelasan, der sich gern als Stimme des
Volkes sieht.

Gesellschaft Schweiz-Armenien warnt vor Leugnung des Genozids

Schweizerische Depeschenagentur AG (SDA)
SDA – Basisdienst Deutsch
14. April 2005

Massacre of Armenians:
Swiss-Armenians warn the Upper house of Parliament of denying
Genocide and request that the Genocide be recognized

Massaker an den Armeniern
Gesellschaft Schweiz-Armenien warnt vor Leugnung des Genozids
Bundesrat zur Anerkennung des Armenier-Voelkermordes aufgefordert

QUELLE: SDA

AUTOR: By TL; KN

DATUMSZEILE: Bern

TEXT:
90 Jahre nach dem Voelkermord an den Armeniern im damaligen
Osmanischen Reich verstaerken sich auch in der Schweiz Tendenzen zu
dessen Leugnung. Zu diesem Schluss kommt Nationalrat Dominique de
Buman (CVP/FR).

Der Nationalrat hatte die Massenvertreibungen von Armeniern in den
Jahren 1915/16 mit mehreren hunderttausend bis zu ueber einer Million
Toten im Dezember 2003 als Voelkermord anerkannt.

Dasselbe forderte De Buman, Praesident der Parlamentarischen Gruppe
Armenien, vom Bundesrat. Fuer Auschwitz haetten auch laengst
Persoenlichkeiten aus Politik und Religion um Verzeihung gebeten,
sagte er am Donnerstag an einer Veranstaltung der Gesellschaft
Schweiz-Armenien in Bern.

An den Bundesrat gerichtet, plaedierte De Buman fuer einen Ausbau der
Beziehungen zwischen der Schweiz und Armenien und fuer Mut, einmal
vom wirtschaftlich-materiellen Kalkuel abzusehen. Es gehe um
immaterielle Werte wie Menschenrechte.

De Buman forderte auch die tuerkische Regierung zur Anerkennung des
Voelkermordes an den Armeniern auf, schliesslich sei die heutige
Tuerkei nicht selbst kompromittiert.

In der Schweiz werde die Leugnung des Voelkermordes an den Armeniern
zunehmend “salonfaehig”, sagte auch Sarkis Shahinian, Co-Praesident
der Gesellschaft Schweiz-Armenien.

Dass der Bundesrat sich zur Frage der Anerkennung des Genozids
ausschweige, haetten die Medien als Nichtanerkennung gedeutet. Er
warnte davor, aus seiner Sicht fragwuerdige Argumente der offiziellen
Tuerkei zu uebernehmen.

Historiker: Keine Zweifel an Genozid

Der Historiker Laurent Auberson betonte, dass die Tatsache des
Voelkermordes an den Armeniern durch osmanische Kraefte nicht in
Zweifel stehe.

Aus diesem Grunde kritisierte er die Aufforderung Ankaras an
Armenien, eine gemeinsame Historikerkommission einzusetzen. Die
Quellenarbeit sei zum groessten Teil abgeschlossen und belege den
Tatbestand des Genozids bereits ueberzeugend.

Zeitzeugen wie deutsche Konsuln in den betroffenen osmanischen
Provinzen, die als Verbuendete Konstantinopels nicht im Verdacht
stuenden, Tuerken-feindlich geurteilt zu haben, haetten ihrerseits
von einer Million armenischer Opfer berichtet, so Auberson.

Nichtsdestotrotz reagiere die Regierung in Ankara noch heute entweder
hysterisch auf das Thema oder versuche zu verharmlosen.

Landesweite Gedenkveranstaltungen

Zum Gedenken an den Massenmord an Armeniern vor 90 Jahren finden vom
17. bis zum 24. April in der ganzen Schweiz Gedenkveranstaltungen
statt – die groesste Gedenkfeier ist fuer den 24. April im Berner
Muenster vorgesehen. Gemaess Shahinian gibt es Informationen ueber
von tuerkischen Gruppen geplante Stoermanoever.

Alte Geister spuken: Tuerken fuehlen sich an koloniale Zeiten…

Schweizerische Depeschenagentur AG (SDA)
SDA – Basisdienst Deutsch
14. April 2005

Massaker an den Armeniern
Alte Geister spuken: Tuerken fuehlen sich an koloniale Zeiten
erinnert Extra

AUTOR: TL; KP

Bern; Istanbul

Die Armenierfrage erhitzt seit Jahrzehnten die Gemueter in der
Tuerkei. Der Historiker erklaert sich dies damit, dass viele Tuerken
sich von christlichen Exil-Armeniern undankbar behandelt und vom
Westen an die Kolonialzeit erinnert fuehlen.

Armenische Aufstaendische haben waehrend des Ersten Weltkriegs mit
dem verfeindeten Zarenreich paktiert und Massaker an den muslimischen
Tuerken veruebt.

Um das tuerkische Kernland zu schuetzen und zu verteidigen, sah sich
die von Jungtuerken dominierte Armee gezwungen einzuschreiten und
letztlich “die Verraeter” zu deportieren – auch wenn es
Hunderttausende betraf. So laute die offizielle tuerkische Deutung
der Geschichte, sagte der Historiker am Deutschen Orient-Institut in
Istanbul, Christoph Herzog.

Diese Version werde auch von den meisten Tuerken geteilt, wie sich im
Gespraech auf der Strasse schnell zeige. Von gezielter Eliminierung
der Armenier spraechen tuerkische Historiker ausdruecklich nicht,
sagte er im Gespraech mit der Nachrichtenagentur sda.

Tatsaechlich sei dafuer auch die Quellenlage nicht eindeutig, zumal
tuerkische Archive gezielt zerstoert wurden und andere bis heute
nicht zugaenglich seien, sagte der Osmanologe weiter.

Voelkermord an den Armeniern in den Jahren 1915/16 – bereits als
Frage formuliert – verletze den Nationalstolz. Schliesslich haetten
sich die Tuerken historisch auch als Schutzmacht fuer die
christlichen Armenier gegenueber Byzanz verstanden. Doch dafuer
haetten sich diese in den Augen der Tuerken spaeter als undankbar
erwiesen.

Moralischer Zeigefinger

Dass der Westen nun gleichsam mit dem moralischen Zeigefinger
auftrete, werde von vielen Tuerken nicht goutiert. Die Geste erinnere
fatal an Zeiten, als sich Frankreich, Grossbritannien – zuletzt auch
das Deutsche Reich – massiv in die Belange des am Ende des 19.
Jahrhunderts bankrotte Osmanische Reich einmischten. Zudem wurde es
nach dem Ersten Weltkrieg von Paris und London als Kriegsbeute
aufgeteilt.

Herzog weist darauf hin, dass auch Exil-Armenier moeglicherweise
Opfer-Zahlen manipulieren. Ankara fuerchte sich wohl auch vor
Schadenersatzforderungen.

Erdogan exige sinceridad en discusion sobre genocidio armenio

Deutsche Presse-Agentur
April 13, 2005, Wednesday

Erdogan exige sinceridad en discusion sobre genocidio armenio

Ankara

El primer ministro turco, Recep Tayyip Erdogan, abogo hoy por una
mayor sinceridad en la discusion sobre el reconocimiento del
genocidio cometido contra los armenios en Turquia durante la Primera
Guerra Mundial.

“No podemos tomar en serio a quien ve la historia con prejuicios”,
dijo Erdogan ante diputados de su partido Justicia y Desarrollo (AKP)
en Ankara.

Esta tarde (local) se discutira el genocidio de los armenios en la
Asamblea Nacional (Parlamento). Los comentarios de Erdogan demuestran
que aunque Turquia sigue negando categoricamente las acusaciones,
ahora esta preparada para al menos discutir el asunto.

El 24 de abril se cumple el 90 anirversario del comienzo de la
violencia que, segun los armenios, resulto en la muerte de alrededor
de 1,5 millones de personas. Turquia admite que cientos de miles de
armenios que vivian en lo que era el Imperio Otomano muriero, pero
afirma que la mayoria de estas muertes tuvieron lugar durante una
deportacion masiva de armenios que coincidio con la invasion del
ejercito ruso.

Turquia ha negado siempre las acusaciones de genocidio, y solo
recientemente se ha permitido a los propios turcos poner en duda la
version oficial, incluso aunque siga considerandose antipatriotico
hacerlo.

Asi lo vivio el autor mas famoso del pais, Orhan Pamuk, quien dijo
haber sufrido amenazas de muerte tras decir a una revista suiza que
un millon de armenios fueron asesinados en Turquia. Un vicegobernador
turco ordeno la retirada de las librerias y bibliotecas de todas las
obras de Pamuk.

En la historia de Turquia no existe ningun capitulo “del que nos
avergoncemos, que reprimamos, olvidemos o que tratemos de maquillar”,
aseguro Erdogan. “No tenemos ningun complejo respecto a nuestra
historia”. Ademas, insto a aquellos que van a Turquia “siempre con la
misma cantinela” a “repasar su propia historia y ser sinceros con su
veracidad”. Nadie tiene el poder suficiente para “llenar de mentiras
la historia de Turquia”, afirmo.

Erdogan subrayo ademas que los documentos turcos estan dispuestos
para todos aquellos “que buscan la verdad en la historia”. Hace
tiempo que Erdogan abogo por la creacion de comisiones
internacionales de historiadores. En cuanto esten listos los
resultados de estas comisiones, Turquia esta “dispuesta a tomar las
medidas que alli se digan”.

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

Fragen an die Turkei (Questions to Turkey)

Taz, die tageszeitung, Deutschland
15. April 2005

Le Monde diplomatique; S. 1,10-11

Fragen an die Türkei

AUTOR: NIELS KADRITZKE

Am 24. April 2005 jährt sich zum 90. Mal der Tag, an dem die
Verfolgung der Armenier durch die jungtürkische Militärjunta während
des Ersten Weltkriegs begann. Bis Ende 1915 wurden mindestens eine
Million armenische Bürger des Osmanischen Reichs aufgrund eines
geheimen Plans umgebracht – durch Hinrichtungen, durch Auszehrung auf
Hungermärschen, durch Massaker staatlich organisierter Mörderbanden.
Die türkische Republik hat dieses “Verbrechen gegen die
Menschlichkeit” nie anerkannt. Die heutige Regierung spricht
lediglich von einer kriegsbedingten “Tragödie” und weist den Vorwurf
des “Völkermords” empört zurück. Das kemalistische Erbe verstellt
nach wie vor den offenen Blick auf die dunklen Seiten der eigenen
Geschichte. Doch die kritischen türkischen Historiker werden sich auf
die Dauer nicht bevormunden lassen.

Von

DIE ERMORDUNG DER ARMENIER UND DIE GESELLSCHAFTLICHE AMNESIE

ERLIN im Mai 1997: ein langer Demonstrationszug unter roten Fahnen.
Die Türken der deutschen Hauptstadt protestieren gegen den Kongress
in Washington. Jenseits des Atlantiks wird gerade eine Resolution
diskutiert, die den Massenmord, der 1915 vom osmanischen Regime an
den Armeniern Anatoliens begangen wurde, als Genozid verurteilen
soll.

Wie viele der Demonstranten haben über dieses Thema je etwas Seriöses
gelesen? Die Frage ist falsch gestellt. Als gute Türken sind sie
überzeugt, dass ihrer Nation Unrecht geschieht. In seinem
irrationalen Kern ist Nationalismus die kollektiv gefühlte Meinung
über Dinge, von denen man nichts weiß. Die türkische Variante äußert
sich am klarsten in der unwissenden Empörung über “die
Armenierfrage”.

Wie alle Nationalismen ist auch der türkische Nationalismus in einer
bestimmten historische Konstellation entstanden. Und wie andere
nationale Projekte auch hat sich der kemalistische Staat, der am Ende
des Ersten Weltkriegs auf den Ruinen des Osmanischen Reichs entstand,
eine neue Nationalgeschichte erfunden. Es galt ja, den Verlust eines
gescheiterten Imperiums zu kompensieren. Doch der Stolz auf die
“Rettung” der Nation angesichts einer existenziellen Bedrohung
blockiert die Einsicht, dass im Übergang vom Osmanischen Reich zum
türkischen Nationalstaat ein furchtbares Verbrechen geschehen ist.
Diese Sperre wirkt noch heute, sechs Monate bevor die
Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der EU beginnen.

Die Vertreibung und Vernichtung von mindestens einer Million
anatolischer Armenier erfüllt nach aktuellem internationalem Recht
den Tatbestand des Völkermords. Wie Wolfgang Gust, der Herausgeber
wichtiger Dokumente aus dem Archiv des Deutschen Auswärtigen Amtes,
überzeugend resümiert, planten die Täter, “eine ethnische, rassische
oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören”.
Das kennzeichnet nach der Genozid-Konvention der UN einen
Völkermord.1 Unter Historikern ist der Begriff nicht unumstritten.
Unbestreitbar ist jedoch, dass die 1915 von der jungtürkischen Junta
beschlossene “Deportation in den Tod” ein “Verbrechen gegen die
Menschlichkeit” darstellt. Dass die offizielle Türkei, aber auch eine
große Mehrheit der Türken dies zurückweist, ja als nationale
Beleidigung empfindet, ist das Ergebnis einer brachialen
Geschichtspolitik. In der Türkei war die nationale Geschichte nie ein
offenes Feld der Forschung und der Kontroverse, sondern stets ein
patriotisches Projekt. Kemal Atatürk hinterließ seinem Volk einen
historischen Mythos von Orwellschem Zuschnitt. Der “Vater der Türken”
gründete 1931 die “Türkische Historisches Gesellschaft”, deren
Aufgabe es war, der jungen Nation eine glorreiche Vergangenheit zu
erfinden.

Beflissene Geschichtsbürokraten produzierten den “Türk Tarihinin Ana
Hatlari”, einen “Grundriss der türkischen Geschichte”, der als Basis
für sämtliche Schulbücher diente. Im Kern sollte die neue Doktrin ein
uraltes “historisches Recht” auf Anatolien begründen. Der
“islamischen Eroberung” durch Seldschuken und Osmanen wurde eine
rassisch fundierte Vorgeschichte hinzugedichtet: Sämtliche
Kulturvölker, die im Umkreis der heutigen Türkei je existiert haben,
wurden zu Prototürken erklärt: Sumerer und Skythen, Hethiter,
Trojaner und archaische Griechenvölker.2

Diese kemalistische Geschichtsmär gehört zum gröbsten Unfug, der je
einem Volk als Ursprungsmythos beigebracht wurde. Damit hat man
Generationen von Türken eingeredet, dass ihre Vorfahren die Väter
aller großen Kulturen waren. Die Folgen sind noch heute zu spüren.
Zwar nimmt kein seriöser türkischer Historiker den “Grundriss” ernst,
aber der ideologische Prachtbau wurde nie demontiert. Sonst hätte man
ja das Andenken des Staatsgründers befleckt, das so rein bleiben muss
wie die eigene Geschichte.

Nur vor diesem volkspädagogischen Hintergrund ist die Wut
verständlich, mit der die staatlichen Instanzen alles, was diese
Reinheit gefährdet, als türkenfeindliches Komplott denunzieren. Das
gilt besonders für die “Armenierfrage”. Wenn gar ein Türke dieses
Tabu verletzt, ist er für die Hüter des kemalistischen Erbes ein
Verrückter. So schrieb der prominente Kolumnist Gündüz Aktan, ein
ehemaliger Diplomat, kürzlich über die “redlichen Intellektuellen”,
die sich “schuldig für alles” fühlen, dass sie in Wahrheit an
Identitätsverlust leiden, also an einem “psychopathologischen
Zustand”.3

Wie es um die intellektuelle Redlichkeit der kemalistischen
Historiker steht, lässt sich aus ihrem Umgang mit historischen
Quellen ersehen. Die Echtheit von Dokumenten aus dem Ersten Weltkrieg
spielt bei der Klärung der “Armenierfrage” eine große Rolle. Zwei
kemalistische Historiker haben, um eine Sammlung von dechiffrierten
Telegrammen der jungtürkischen Führer als Fälschung zu entlarven,
eine bemerkenswerte Argumentation entwickelt: Dass ein osmanischer
Beamter in Aleppo die fraglichen Dokumente einem Armenier
ausgehändigt haben soll, mache diese höchst verdächtig. Niemals hätte
ein Türke gegenüber einem Nichttürken eigene Landsleute angeschwärzt,
“als würden diese zu einer anderen Nation gehören”.4

Ein anständiger Türke verrät keine Familiengeheimnisse nach außen,
schon gar nicht an Armenier. Dieses Gebot haben die staatstreuen
türkischen Historiker lange Zeit loyal befolgt. Im Umkreis der
“Historischen Gesellschaft” wurde so geforscht und publiziert, dass
das Ansehen der Türkei keinen Schaden nahm. Deshalb musste man auch
die Urteile abwerten, die türkische Richter vor 86 Jahren über die
mutmaßlichen Haupttäter der jungtürkischen Junta gefällt haben.

Die Sonderkriegsgerichte, die ab Frühjahr 1919 tagten, untersuchten
auch die Massenmorde von 1915 (unter Anklagepunkten wie “Übergriffe
gegen Armenier und andere Volksgruppen” oder “Plünderung und
Zerstörung von Eigentum”). Sie fällten, noch nach osmanischem Recht,
siebzehn Todesurteile, von denen drei vollstreckt wurden. Doch die
Urteile wurden weder von der späteren kemalistischen Staatsführung
noch von der öffentlichen Meinung je anerkannt. Damit waren auch die
Beweismittel delegitimiert.

Ein Argument gegen diese Prozesse ist noch heute die Vokabel
“Siegerjustiz”. Tatsächlich fanden die Prozesse auf Druck
Großbritanniens statt, das seit Kriegsende auch Besatzungsmacht war.
Doch das Gericht bestand aus türkischen Richtern, deren Autorität
allerdings angeschlagen war, als sie auch Todesurteile gegen die
nationalistischen Führer fällten, die sich gegen die Regierung in
Istanbul erhoben hatten. Die Legitimität der osmanischen Gerichte war
vollends zerstört, als griechische Truppen im Mai 1920 die Region um
Izmir besetzten und sich anschickten, den Westen Kleinasiens zu
erobern. Angesichts der drohenden Aufteilung des Landes erschienen
die Istanbuler Sondergerichte als Werkzeuge der Besatzungsmächte, die
dem von Mustafa Kemal organisierten nationalen Widerstand das Genick
brechen wollten.

Die Prozesse wurden eingestellt, als Mustafa Kemal, der Führer des
Befreiungskampfes, dem britischen Hochkommissariat am 12. August 1920
aus Anatolien übermitteln ließ, falls die in Istanbul verhängten
Todesstrafen vollstreckt würden, werde man “die in unseren Händen
befindlichen englischen Gefangenen sofort allesamt hinrichten”.5
Kemals Drohung war eine Reaktion auf den Vertrag von Sèvres, den die
osmanische Regierung zwei Tage zuvor unterzeichnet hatte.

Das Wort Sèvres signalisiert für die meisten Türken bis heute die
Gefahr der Zerstückelung und Kontrolle ihres Landes durch
ausländische Mächte. Ohne die Erinnerung an Sèvres, das türkische
Versailles, lässt sich nicht verstehen, warum nach Umfragen von Mitte
Februar 2005 noch 50,4 Prozent der Bevölkerung glauben, ihr Land sei
von Feinden umgeben – obwohl zugleich 75,9 Prozent den EU-Beitritt
der Türkei befürworten.

Als Ausdruck des Sèvres-Syndroms kann man auch den rhetorischen
Reflex sehen, der kürzlich dem türkischen Ministerpräsidenten
unterlaufen ist. Als die Istanbuler Presse die Übergriffe der Polizei
auf demonstrierende Frauen am 8. März als “EU-unwürdig” kritisierte,
warf der “demokratische Reformer” Tahip Erdogan den Journalisten vor,
sie würden ihr Land “in Europa” anschwärzen. Wenn der Ruf der Nation
auf dem Spiel steht, wird die EU auch für Erdogan wieder zum –
potenziell – feindlichen Ausland. Das ist Wasser auf die
Propagandamühlen der türkischen EU-Gegner, die unablässig vor einem
“neuen Sèvres” warnen.

Warum scheut sich die politische Klasse der Türkei noch heute, die
drei Paschas Enver, Talaat und Djemal wegen des Mords an den
Armeniern zu verurteilen? Diese Männer gelten doch als Totengräber
des Osmanischen Reiches, die das türkische Volk ohne demokratische
Legitimation an der Seite der Deutschen in den Weltkrieg gezerrt
hatten. Weder der Vertrag von Sèvres noch die unpatriotische Rolle
der Istanbuler Sondergerichte können erklären, warum die in den
Prozessen von 1919 vorgelegten Dokumente nicht als beweiskräftig
anerkannt werden. Der tiefere Grund liegt wohl auf der personellen
Ebene: Viele der Istanbuler Angeklagten waren Freunde oder Kameraden
von Mustafa Kemal, dem späteren Atatürk. Innenminister Talaat Pascha,
der Hauptorganisator der Vernichtungsstrategie gegen die Armenier,
war zwar eher ein Rivale als ein Freund des Staatsgründers. Doch
andere Mittäter von 1915 wurden zu Mitkämpfern im Befreiungskrieg und
zu Ministern in kemalistischen Regierungen, etwa Sükrü Kaya, der
langjährige Innenminister.6

Atatürk selbst hat sich zum Mord an den Armeniern unterschiedlich
geäußert. Vor dem Parlament in Ankara kritisierte er 1924 diese
“Schandtat der Vergangenheit”. In privaten Gesprächen soll er von 800
000 getöteten Armeniern geredet haben. Doch in seinen öffentlichen
Reden entwickelte er das Grundmuster apologetischer Rhetorik, mit der
die offizielle Türkei das Verbrechen zur “Tragödie” erklärt, also der
Schuldfrage entrückt: Das alles habe sich im Zuge des Krieges
ereignet und sei überdies eine “Folge der Sezessionspolitik”, die von
den Nichtmuslimen des Reiches im Verein mit äußeren Feinden betrieben
wurde.

Entscheidend für die Haltung Kemals dürfte gewesen sein, dass die
meisten der Angeklagten alte Kameraden waren. Einige von ihnen hat er
auch im Gefängnis besucht. Für den Historiker Taner Akçam erklärt
dies, warum Kemal “sich für die Verantwortlichen und Täter des
Völkermordes einsetzte und ihre Bestrafung zu verhindern versuchte”.
Deshalb sei mit dem Sieg des Kemalismus die Frage einer Bestrafung
erledigt gewesen.7

Die quasireligiöse Autorität des “Vaters der Türken” und das Dogma
von der unbefleckten Empfängnis des türkischen Nationalstaats
behindern noch heute – 86 Jahre nach Sèvres und 67 Jahre nach dem Tod
des Staatsgründers – eine offene und öffentliche Diskussion der
“Armenierfrage”. Taner Akçam spricht deshalb von einer
“gesellschaftlichen Amnesie”.8

Da diese Amnesie ein Politikum ist, kann sie nur allmählich und “von
unten” abgebaut werden. Dass in der türkischen Zivilgesellschaft in
dieser Hinsicht schon bemerkenswerte Entwicklungen im Gange sind,
wird im Ausland häufig ignoriert. So stand im Entwurf zu einem
Armenien-Antrag, der am 22. April im Deutschen Bundestag diskutiert
werden soll, in der Türkei könne die Edition von Büchern wie Franz
Werfels berühmtem Roman “Die vierzig Tage des Musa Dagh”
strafrechtlich verfolgt werden. Tatsächlich liegt das Buch seit acht
Jahren in türkischer Übersetzung vor; der Verleger ist auf freiem
Fuß.

Auch türkische Historiker schreiben über das Thema weit unbefangener
als noch vor zehn Jahren. Ende Mai wird in Istanbul eine Konferenz
über das Schicksal der osmanischen Armenier stattfinden. Die
Tatsache, dass alle Referate auf Türkisch vorliegen werden, belegt
das Interesse gerade türkischer Historiker an diesem tabuisierten
Thema. Auch auf journalistischer Ebene werden die offiziellen
Stereotype in der “Armenierfrage” stärker kritisiert. Allerdings
bestehen die kritischen türkischen Historiker und Publizisten darauf,
das Geschehen in seinen historischen Kontext zu stellen, also auf den
Zerfall des Osmanischen Reiches und die Strategien der Sieger des
Ersten Weltkrieges zu beziehen.9 Sie erörtern auch die
Unabhängigkeitsbestrebungen armenischer Nationalisten, die von der
armenischen Diaspora oft verschwiegen werden.

Statt die Herausforderung zu einer differenzierten historischen
Diskussion anzunehmen, verschanzt sich die offizielle Türkei in den
alten Schützengräben. Nach Aussage des türkischen Botschafters in
Deutschland, der durch sein Bemühen bekannt wurde, die
“Armenierfrage” aus den Lehrplänen des Landes Brandenburg zu tilgen,
gab es 1915 weder einen Völkermord noch ethnische Säuberungen.10 Als
guter Diplomat vertritt er nur die offizielle Position seines
Staates, auf die sich das islamische und das kemalistische Lager vor
kurzem offiziell geeinigt haben. Am 17. März tagte der “Ausschuss zur
Bekämpfung der Völkermord-Anschuldigungen”, der dem
Generalsekretariat des Nationalen Sicherheitsrats angelagert ist.
Vertreten waren der Generalstab, das Außen- und das
Erziehungsministerium, die “Türkische Historische Gesellschaft” und
ein staatlicher Propagandafonds.

Einleitend erklärte Außenminister Abdullah Gül, die
Genozid-Anschuldigungen im Vorfeld des armenischen Gedenktages am 24.
April drohten die Beziehungen der Türkei zur EU zu belasten. Deshalb
beschloss das Gremium eine türkischen “Offensive”, deren Nahziel es
ist, “die Anschuldigungen hinsichtlich des so genannten Genozids an
den Armeniern aus den Schulbüchern in den USA und in Frankreich zu
entfernen”. Dafür will man Gelder aus dem staatlichen Propagandafonds
investieren. Unter Federführung des Kultur- und des
Tourismusministeriums soll ein Museum zum Thema “Das Osmanische Reich
und die türkische Toleranz” gebaut werden. Das staatliche Fernsehen
wird aufklärende Programme vorbereiten, die privaten Medien sollen
sich an der Kampagne beteiligen. Und die Universitäten bekommen
Sondermittel, “um Studien zu dem Thema durchzuführen”.11

Die Vorstellung, eine solche “Offensive” könnte die Krise im
Verhältnis mit der EU entschärfen, macht deutlich, dass die
“offizielle” Türkei noch immer kein Gespür für ihre “Probleme” mit
der europäischen Öffentlichkeit entwickelt hat. Diese Strategie
diskreditiert zudem den vernünftigen Vorschlag, den Ankara kurz zuvor
gemacht hatte: Eine gemischte Kommission von türkischen und
armenischen Experten solle ein historisches Gutachten zu den
Ereignissen von 1915 erarbeiten, womöglich unter Schirmherrschaft der
Unesco. Wo das Ergebnis der historischen Bemühungen vorgegeben ist,
wird es in einer Kommission mit “offiziellen” Repräsentanten nicht zu
einem wissenschaftlichen Diskurs, sondern zu einem diplomatisches
Tauziehen kommen.

Wie Ankara diese “armenische Offensive” betreiben will, lässt auch
das Auftreten des US-Historikers Justin McCarthy erahnen, der Ende
März im türkischen Parlament reden durfte. McCarthy bekräftigte die
offizielle türkische These von der “kriegsbedingten Tragödie” und
erklärte, die damaligen Bestrebungen armenischer Nationalisten hätten
das Osmanische Reich akut bedroht. Doch dieses immer wieder
angeführte Entlastungsargument ist ein historiografischer Trick: Das
Potenzial zu einem armenischen Aufstand war bereits seit Ende 1914
neutralisiert, als man alle wehrfähigen armenischen (und
griechischen) Männer in Arbeitsbataillone steckte. Ganz abgesehen
davon, dass die Vernichtungsstrategie des Talaat Pascha auf die
gesamte Zivilbevölkerung zielte.12

McCarthy beendete seinen Vortrag mit einer aktuellen Warnung: Wenn
Ankara eine historische Schuld anerkenne, würden die Armenier nicht
nur gewaltige Entschädigungen fordern, sondern auch territoriale
Ansprüche in Anatolien stellen. Eine solche Warnung ist angesichts
der rechtlichen Fakten und der politischen Realitäten völlig absurd.
Sie soll also nur neue Sèvres-Ängste auslösen. Die türkischen
Parlamentarier aller Fraktionen dankten es McCarthy mit großem
Beifall.

Solange die politische Klasse der Türkei das Sèvres-Syndrom
kultiviert, statt es im politischen Diskurs mit der Gesellschaft zu
überwinden, wird die Kommunikation mit den europäischen Partnern
gestört bleiben. Und solange Ankara die Behandlung schwieriger
historischer Themen als Provokation oder nationale Demütigung
begreift, hat es nicht verstanden, was Europa bedeutet. Seit Jahren
versichert Ministerpräsident Erdogan, sein Land wolle sich nicht zum
Gefallen der EU, sondern um seiner selbst willen demokratisieren.
Doch die Politiker – Kemalisten wie islamisch orientierte Kräfte –
verweigern beharrlich, was mutige Schriftsteller, liberale
Journalisten und seriöse Historiker einfordern: ehrliche Antworten
auf klare Fragen zur eigenen Geschichte.

Da in der Türkei die Übersetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in
öffentliches Bewusstsein ein langwieriger Prozess ist, wird eine
breite Diskussion der “armenischen Frage” noch länger auf sich warten
lassen. Ein “auserwähltes Volk”, zu dem der Gründungsmythos die
türkische Nation ernannt hat, hat es schwer, die dunklen Seiten
seiner Geschichte zu sehen. Ein erster Schritt wäre die Einsicht,
dass radikales Fragen nicht irgendwelchen Feinden dient, sondern der
gesellschaftlichen Selbstaufklärung. Wenn die türkische Gesellschaft
ihre Geschichte aufarbeitet, kann sie nicht nur die genannte
kollektive Amnesie überwinden. Ehrliche Antworten auf die
“Armenierfrage” könnten vor allem auch eine historischen Entlastung
“der Nation” bewirken.

Am 8. November 1918 hat ein Abgeordneter im letzten osmanischen
Parlament eine leidenschaftliche Rede gehalten: “Meine Herren, Sie
wissen, dass sich die Türkei in den Augen der zivilisierten Welt
heute in der Position des Angeklagten befindet. […] Es geht um das
große Mordgeschehen, das die düsterste und blutigste Phase der
osmanischen Geschichte darstellt. Und dieses Morden wird nunmehr der
türkischen Nation angelastet. […] Ich aber sage hier: Das große
Morden ist die Tat der früheren Regierung, um es genauer zu sagen:
die Tat einer regierenden Verbrecherbande.”13

Die Stimme, die das türkische Volk in Schutz nehmen wollte, gehörte
dem Armenier Artin Boigezenyan. Was der Abgeordnete aus Aleppo damals
sagte, ist auch für die politische Klasse der heutigen Türkei
bedenkenswert: Man kann “die Kette von Verdächtigungen, die man den
Türken um den Hals legt”, nur zerbrechen, indem man die wahren Täter
benennt.

© Le Monde diplomatique, Berlin

Auch der Heimat fremd geworden

Taz, die tageszeitung, Deutschland
15. April 2005

And the homeland becomes strange
by Jean-Jacques Varoujan

Auch der Heimat fremd geworden;

Von JEAN-JACQUES VAROUJAN

MAN muss die Dinge mit anderen Augen sehen, empfiehlt Sophokles. Aber
wie sollen wir das angesichts bestimmter Szenen machen? Ein paar
Fotos – und schon überwältigt uns der Schmerz. Wenn ich mich darauf
sehe, ein Kind von sieben oder acht Jahren vielleicht, verzweifle
ich. Nie hätte ich gewollt, dass er stirbt, verschwindet, sich in
Nichts auflöst, dieser kleine Junge in kurzen Hosen, der ich war. Nie
werde ich akzeptieren können, dass der kleine Hund, der dort zu Füßen
meiner Großmutter sitzt, hat sehen müssen, was er sah, ohne sich
wehren und den Mördern seiner Herrin hinterherbellen zu können.

Niemals, sagt sich der Sohn des Exilanten, werde ich sehen, was ich
nicht gesehen habe, was man mir genommen hat, was ich nur vom
Hörensagen, vom Erzählen, vom Erinnern, vom Beweinen und vom Besingen
kenne.

Wo ist das Vergehen? Wo der Grund des Übels? Wie jedes Jahr, wenn am
24. April die Menge demonstriert, hallt es aus den Straßen, Bäumen
und Gräbern: Sie sind gestorben, damit wir leben! Und der Fotograf
fügt hinzu: Damit wir nicht vergessen.

Aber könnten wir vergessen? Wie sollten wir Ereignisse vergessen, die
ein ganzes Volk zwangen, seine Heimat zu verlassen? Und immer dieses
Nicht-verstehen-Können, diese quälende Frage: Warum ich? Wo habe ich
gefehlt? Was hätte ich nicht tun dürfen, was hätte ich tun müssen?
Schweigen, mich verstellen, mich verleugnen? Und wenn die Genozide,
die Massenexekutionen, die Verbannungen und die Massaker von 1915 in
Ostanatolien ihre Ursachen in der unsäglichen Schönheit unserer so
anders klingenden Sprache hätten, in der unantastbaren Schönheit
unseres Landes, wo das Lächeln und das Lachen, das Tanzen, das Singen
und das Beten seit je verwurzelt sind? Meine Sehnsucht nach Freiheit,
sagt sich der Exilant, und dieser Wunsch, den eigenen Glauben zu
leben, haben die Barbaren zu immer schlimmeren Taten getrieben, Tag
für Tag, bis zur Ausrottung und Zerstörung all dessen, was nicht
tadschikisch, rot oder arisch war, all dessen, was Zeugnis hätte
ablegen können.

Nachdem sie die überwiegende Mehrheit der “Ungläubigen” ermordet oder
in die Flucht getrieben hatten, haben die Besatzer – ob Türken,
Deutsche oder Chinesen – den Überlebenden ihr natürliches Glück
genommen, das Glück, Armenier, Juden, Tutsi oder Tibeter zu sein.
Dieses Glück, diese unbefangene Freude, wird nie wieder vollständig
zurückkommen, weil sie in dem neuen Land, wo sie jetzt sind, jemand
anders geworden sind. Zweite Heimat, sagt man, zweites Vaterland, als
hätte man zwei Väter.

Wo immer er ist, was er auch tut, was immer er mit eigenen Augen
sieht, der Exilant blickt zurück – auf das vergangene Leben, auf die
Zeit, bevor seine Welt zusammenbrach. Er zehrt von den Bildern, die
er nicht vergessen kann, von den Fotos der Seinen, auch wenn diese
Bilder, diese Fotos nur in seinem Kopf, seinem schlummernden
Bewusstsein existieren.

“Kann man sein Vaterland an den Schuhsohlen mitnehmen?”, rief der
französische Revolutionsführer Danton aus, als Freunde ihm
vorschlugen, freiwillig ins Exil zu gehen, um dem Tod zu entrinnen.

Ja, mein Herr, Bürger, Genosse – man nimmt etwas mit. Und was? Eine
Wirklichkeit, die sich im Lauf der Zeit in Schein verwandelt. In ein
Trugbild, einen Wahn. Und dann fängt man an zu erzählen, zu zeigen,
was von dem Haus, der Kirche, der Straße übrig geblieben ist, um
einem noch schlimmeren Tod zu entrinnen.

Sollen wir zu den Gebeinen unserer Väter sagen: Steht auf und folgt
uns in ein fremdes Land?

Mehrere Römer sind dereinst lieber in den Tod als ins Exil gegangen?
Mehrere Geächtete haben wie tot in der Verbannung gelebt. Mein
Großvater Garabed hat nach seiner Ankunft in Frankreich nie wieder
gesprochen, und fast nie habe ich ihn, genauer betrachtet, lächeln
sehen. Immer in sich versunken. Immer gebeugt. Sein inneres Leitmotiv
tagein, tagaus: Was habe ich hier zu suchen? Hier, wo ich in der
ersten Zeit beim Lebensmittelhändler von Alforville “puut put put
put!” machen musste, wenn ich ein Ei kaufen wollte.

Was bleibt (von unseren Lieben), wenn man fern der Heimat lebt, fern
von den Seinen, die dort gestorben sind, dem alten Dorf, den Bergen,
den Hühnern und Kaninchen? Das Gedächtnis. Auch wenn es nicht immer
unbedingt das eigene ist. Nach einer Weile, das muss man wohl
zugeben, besteht dieses Gedächtnis aus allen möglichen Berichten und
Erzählungen, aus Geschichten, die man gehört, geträumt, erfunden,
geschönt oder verdüstert hat, aus Legenden, vielleicht auch aus
Hirngespinsten. Was bleibt, sind die Bilder. Ein paar Fotos, die
zufällig gerettet worden sind, wieder gefunden in einem alten Koffer,
der immer verschlossen in der Ecke gestanden hatte und eigentlich
erst bei der Rückkehr in die Heimat wieder geöffnet werden sollte.
Vor allem aber solche, die später aufgenommen wurden, im Exil, Fotos
von Entwurzelten, manchmal Unbekannten, auch wenn auf der Rückseite
ein Name steht – ein Name, der einem nichts sagt. Ein stummer Name.

Es bleibt das Auge, das weiter sucht, oft ohne sich an einer
Wirklichkeit, die nicht die eigene ist, festmachen zu können – und
das Lächeln, das man manchmal erkennt, wenn man hinsieht? Es gibt
eine Trauer, die man nur lächelnd überlebt. Man weiß nicht mehr so
genau – der Blick trübt sich beim Hinsehen -, man weiß nicht mehr so
genau, was Sehen eigentlich bedeutet. Es ist nicht immer der Onkel,
die Großmutter, ein Freund aus Kindertagen … Ihrer Identität
beraubt, sind sie weder Mann noch Frau – also was dann? Vielleicht
ein Wesen, das sich nicht ins Jenseits befördern lässt, auch nicht
mit dem Krummsäbel?

Was bleibt (von unseren Lieben)? Nach dem Verlust jeglicher
Zugehörigkeit zu einem anerkannten, eingetragenen, Identität
stiftenden Gemeinwesen nähert man sich bestenfalls dem Reinzustand
dessen, was Wesenhaftes in uns bleibt, bar aller Zierden, Zeichen und
Merkmale, die uns unterscheidbar machen, so wie am ersten Tag, bevor
wir etwas wussten, bevor wir den geltenden Regeln gehorchten,
lernten, die Etiketten und Abstempelungen zu ertragen.

Aber die Jugend teilt diese Meinung nicht. Wenn der Mann im Exil
seinen Kindern von dem “Heimatland” erzählt, erwidert ihm der Sohn:
“Was ist das, unser Heimatland?” Und der Vater erstarrt, es
verschlägt ihm den Atem. – “Wir sind hier doch nicht in Harput”,
setzt seine Tochter nach. – “Sei still, oder du bekommst eine hinter
die Ohren.” – “Aber ich, ich bin Französin!”, protestiert eine kleine
Armenierin in dem Film “Le Jardin de Khorkom” von Isabelle Ouzounian.

Für den Mann im Exil ist das die schlimmste Strafe, der schlimmste
Aufschrei seiner Enkelin – wie ein Splitter, der sich ihm ins Fleisch
bohrt, ein Tod ohne Verbrechen, ohne dass einem jemand den Todesstoß
versetzte. Und doch ist es ein anderes Leben, das sich ankündigt. Die
Geburt zu einem neuen Leben.

Eine Geburt, während in einem gequälten Herzen einFunken (welcher?)
erlischt.

Was bleibt von dem Menschen, der man ist, wenn man sich in einem
Flüchtlingslager, einer Notunterkunft wiederfindet? Oder in einer
Stadt, einem Viertel, einer Straße, wo man keine Menschenseele kennt
und kaum selber mehr eine zu haben scheint? Wo niemand die gleiche
Sprache spricht, in einem unbewohnten Haus vielleicht, unter einem
anders blauen Himmel – wo einzig die Vögel, die nichts wissen von den
Unterschieden zwischen den Menschen, ihr Lied singen, und, so glaubt
man, Nachrichten aus der Heimat verkünden.

Welches ist dieses Anderswo, das er mit hohlen Blicken aus scheuen,
dunklen, blinden Augen sucht? Ein anklagender Spiegel? Die
Bittschrift eines Opfers? Was er sucht, ist nicht nur seine
Vergangenheit, sind nicht nur die Alten, die Gesichter und Worte der
Ahnen, es sind auch und vor allem die Kinder, die damals nicht mit
ihm gingen, die an Ort und Stelle exekutiert oder von der Meute
entführt wurden, bevor die Koffer gepackt waren, die nicht
identifizierbaren Leichen, die das Meer mit den Wellen zurücktrug
oder die von den reißenden Fluten des Euphrat fortgespült wurden.

Alle Exilanten der Welt haben die gleichen inneren Bilder,
Spiegelungen eines Landes, das einst ihre Heimat war. Fern von seinem
Land, aus sich selbst vertrieben, ist der Mensch ein anderer. Fast
nichts. Welche Zukunft hat er? Manchmal, nicht selten, findet er
Bequemlichkeit, eine gute Stellung, flüchtige Vergnügungen,
Verliebtheiten, aber seine Zukunft bleibt das “Einst und Damals”,
sein Reichtum das, was er verloren hat. Fremd in der Fremde, ist er
auch der Heimat fremd geworden, wenn er denn als Tourist in sein Land
zurückkehren darf. Und er empfindet sein ganzes Leben lang ein
Schuldgefühl, das er sicher nicht verdient. Warum?, fragt er sich
ohne Unterlass.

Die osmanischen Barbaren hassten die von ihnen unterworfenen
Christen, weil diese ihnen durch ihr Schweigen, ihr heimliches Leben
und auch durch ihr Lächeln ständig vor Augen führten, wer sie waren,
Barbaren eben, und sie zwangen, ihr wahres Gesicht zu zeigen.

Ob Jude, Armenier, Grieche aus der Türkei oder Tibeter, keiner von
ihnen kann auch nur einen Tag verbringen, ohne wenigstens flüchtig zu
empfinden, wer er ist, ohne dass es ihm ins Auge springt, auch wenn
er sich im Augenblick gar nicht ausdrücklich fragt, was es heißt,
Armenier, Jude oder Tibeter zu sein. Als Heilmittel gegen die düstere
Wirklichkeit reicht es ihm – und das ist Balsam für seine Seele -,
sich jeden Tag, bis zu seinem Tode, in sein großes Buch zu vertiefen,
wo es ihn noch gibt – auf den Fotos. Jeden Tag, um nicht zu sterben.

Es reicht ihm, sich an diesen oder jenen der Seinen zu erinnern, der
mit einer Sprache, seiner Sprache, hingeschieden ist, die um ihn
herum keiner verstand. Warum waren Tschechows letzte Worte: “Ich
sterbe.”? Wie sterben Menschen im Exil, hätte Tolstoi sich fragen
können.

In den Gesichtern der Kinder, der Alten, der Frauen, die wie
Vergessene sind, steht nicht nur der Wunsch, zu leben; es ist ihnen
auch abzulesen, dass sie selbst das Leben sind. Denn vielleicht ist
das Leben dort. Nicht nur das heutige, nicht nur so, wie wir es
führen, sondern so, wie wir etwas einfältig an jeder Straßenecke
sagen: So ist das Leben! Vielleicht liegen darin die tieferen Wurzeln
des Glaubens, ohne dass man genau wüsste, an wen oder an was.

Diese Ewigkeit, diese Universalität des Lebens im Exil sind überall
zu erkennen, manchmal auch in erstarrten konkreten Bildern. Eine
Straße in Aleppo, die Rue Baron, wo die schreckliche telegrafische
Anordnung des osmanischen Innenministers Talaat Pascha zur Ausrottung
eines ganzen Volkes eintraf. In Karabach, wenn man die Alten beerdigt
und sich ein letztes Mal über sie beugt. Welches Wasser trinkt das
junge Mädchen in Eriwan aus den zum Becher geformten Händen? Zu
welcher Seite blicken sie, die umschlungenen Frauen an der Grenze,
von diesseits gekommen, jenseits geboren?

Das Wesen, es wird immer bleiben, uns im Herzen des Mysteriums
festhalten. Der Mensch, “wenig niedriger als Gott”, sagt David (Psalm
8,5). Sein Wesen, das vor allen Dingen war, ist sehr viel höher noch
als Gott.

Der Exilant, er wird immer bleiben, er, der, zwischen Mensch und
Gott, an beiden verzweifelnd, seinen Kreuzweg geht, der nicht von
dieser Welt ist und auf dem beide ihn allein verlassen haben. Warum?

Alles, was er weiß, und alles, was er nicht weiß, kommt daher, dass
er sich im Exil befindet. Das ist seine Lage, sie bestimmt ihn. Er
zehrt allein von toten Leidenschaften.

deutsch von Grete Osterwald