Diese “Ereignisse” im Osten

taz, die tageszeitung
23. April 2005

Diese “Ereignisse” im Osten

von EBERHARD SEIDEL

Am 24. April 1915 ließ die jungtürkische Regierung des Osmanischen
Reiches die gesamte armenische Elite in Istanbul verhaften. Mehr als
600 Intellektuelle wurden nach Anatolien deportiert, die meisten in
der Folge ermordet. Der 24. April gilt als der Beginn der
systematischen und planmäßig durchgeführten Vertreibung und
Vernichtung der Armenier, die damals auf dem Gebiet der heutigen
Türkei gelebt haben.

ie Ermordung von rund 800.000 der knapp zwei Millionen in der Türkei
lebenden Armenier wird von vielen als der erste Völkermord des an
Genoziden so reichen 20. Jahrhunderts gesehen. Von vielen, aber nicht
von allen. Denn im Gegensatz zum Völkermord an den europäischen
Juden, der für die Völkergemeinschaft eine feststehende Tatsache ist,
gilt dies für die Massenmorde in den Jahren 1915 bis 1917 nicht. Er
ist bis heute nicht in das Weltbewusstsein eingedrungen. Während der
Nachfolgestaat des NS-Regimes den Holocaust zugegeben und die
Verantwortung für die Folgen übernommen hat, bestreitet die türkische
Republik, die Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reiches, bis heute
jegliche Schuld.

Die “Ereignisse” im Osten des Osmanischen Reiches seien unvermeidbare
Begleiterscheinungen militärischer Aktionen gegen armenische
Separatisten im Verlauf des Ersten Weltkriegs gewesen, lautet die
offizielle türkische Sprachregelung.

Auch in Deutschland ist der Völkermord an den Armeniern ein
Randthema. Das ist verwunderlich, denn kein westliches Land war so in
das Geschehen verwickelt wie das deutsche Kaiserreich, das in den
Jahren 1914 bis 1918 der wichtigste Verbündete der jungtürkischen
Regierung war. Deutschland war es auch, das den beiden
Hauptverantwortlichen des Genozids, Talaat Pascha und Enver Pascha,
zur Flucht verhalf – sie konnten sich so der Verantwortung vor dem
Istanbuler Kriegsgerichtshof entziehen.

Verwiesen sei an dieser Stelle auf das kürzlich von Wolfgang Gust
herausgegebene Buch “Der Völkermord an den Armeniern 1915/1916.
Dokumente aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes” (zu
Klampen Verlag). Darin sind Akten dokumentiert, die die
Mitwisserschaft und in einigen Fällen auch die Mittäterschaft
deutscher Militärberater an den Deportationen der Armenier belegen.

Das Hamburger Institut für Sozialforschung hat die inzwischen zum
Standardwerk avancierte Studie “Armenien und der Völkermord. Die
Istanbuler Prozesse und die türkische Nationalbewegung”
dankenswerterweise neu aufgelegt. Der Autor Taner Akcam analysiert
darin die türkische Haltung zum Völkermord anhand türkischer Quellen.
Einen besonderen Stellenwert räumt Akcam dabei den Protokollen der
Kriegsgerichtsprozesse ein, die in Istanbul zwischen 1919 und 1921
gegen die Verantwortlichen des Genozids stattgefunden haben.

Die Istanbuler Prozesse waren der historisch erste Versuch,
Menschenrechtsprinzipien mit Hilfe einer internationalen
Strafgerichtsbarkeit durchzusetzen. Dieser fehlgeschlagene Vorläufer
der Nürnberger Prozesse wurde vor allem auf Druck der alliierten
Siegermächte USA, England und Frankreich durchgeführt. 17
Todesurteile wurden verhängt, von denen drei vollstreckt wurden. Nach
Auffassung des Kriegsgerichtshofes gab es keinen Zweifel, dass es
sich bei den Vertreibungen 1915 bis 1917 um einen geplanten
Massenmord gehandelt hat.

Dieser Auffassung hat sich auch der spätere Gründer der türkischen
Republik, Mustafa Kemal Atatürk, zunächst angeschlossen – eine
moralische oder gar rechtspolitische Bedeutung hat er dem allerdings
nicht beigemessen. Von Atatürk ist folgende Einschätzung überliefert:
“Die Ermordung von Menschen und ähnliche Verbrechen kommen in
Amerika, Frankreich und England ebenso vor, doch nur die Türkei wird
für das Massaker an 800.000 ihrer Staatsbürger zur Rechenschaft
gezogen.”

Ab 1920 verloren die Istanbuler Prozesse selbst bei den Gegnern der
Jungtürken den anfänglich durchaus vorhandenen Rückhalt. Denn mit dem
Vertrag von Sèvre (August 1920) nahmen die Alliierten dem Osmanische
Reich faktisch die nationale Souveränität. Sie stellten das Land
unter ihre Militär- und Finanzkontrolle, erzwangen große
Gebietsabtretungen in Europa und in Ostanatolien. Und die Griechen
versuchten große Teile Westanatoliens zu besetzen.

ür Atatürk, der sich an die Spitze der Widerstandsbewegung stellte,
hatte die nationale Souveränität jetzt Vorrang vor einer Aufarbeitung
des Verbrechens. Er drohte 1920/1921, sämtliche in seiner Hand
befindlichen englischen Gefangenen hinzurichten, falls der unter der
Kontrolle der Alliierten stehende Kriegsgerichtshof in Istanbul
weitere Todesurteile vollstrecken sollte. Während der folgenden
Befreiungskriege kämpfte eine Reihe von Verantwortlichen des
Völkermordes an seiner Seite, später übernahmen sie hochrangige
politische Ämter in der neu gegründeten Republik.

Taner Akcams Buch ist ein Aufruf an die armenische, vor allem an die
türkische Seite, endlich die Dokumente zur Kenntnis zu nehmen. Sein
eigener Ansatz, der in der Türkei seit Jahren zumindest in
zivilgesellschaftlichen Kreisen zustimmend debattiert wird und mit zu
einer veränderten Sicht beiträgt, ist ein hoffnungsvoller Beginn. Er
unterwirft den Türkismus und die Pläne zur (muslimischen)
Homogenisierung des christlich-muslimischen Anatoliens ebenso einer
kritischen Bewertung wie die Autonomiebestrebungen eines kleinen
Teils der Armenier während des Zerfallsprozesses des Osmanischen
Reiches.

Wo Akcam sich um eine betont sachliche Darstellung bemüht, stellt der
Journalist und Politikwissenschaftler Rolf Hosfeld das Leid der Opfer
in den Vordergrund. “Operation Nemesis. Die Türkei, Deutschland und
der Völkermord an den Armeniern” ist eine glänzend geschriebene
Abhandlung. Eingehend untersucht Hosfeld die Entstehung des
türkischen Nationalismus als Wurzel des Völkermords an den Armeniern.
Auf vielen Seiten, gestützt auf Niederschriften von Zeitzeugen,
schildert er minutiös, auf welche Weise die Menschen getötet wurden.
Er benennt die Täter – Regierung, Verwaltungsbeamte, Militär,
paramilitärische Gruppen, kurdische und tscherkessische Banden, aber
auch ganz normale Bürger – und die Profiteure.

Der Völkermord war, so Hosfeld, eine gigantische Enteignung und
Umverteilung von Reichtum – weg von den christlichen Minderheiten der
Griechen und Armenier, die zu diesem Zeitpunkt mehr als 25 Prozent
der Bevölkerung stellte, hin zur muslimischen Majorität auf dem
Gebiet der heutigen Türkei. Vor dem Völkermord befanden sich 66
Prozent des Binnenhandels, 79 Prozent der Industrie- und
Handwerksunternehmen und 66 Prozent der akademischen Berufe in den
Händen der christlichen Minderheiten. Danach spielten sie keine Rolle
mehr. Diese Umverteilung setzte die Mittel für eine “ursprüngliche
Akkumulation” einer entstehenden türkischen Bourgeoisie frei.

ewichtige Teile der Funktionseliten und des Bürgertums der jungen
türkischen Republik sind mit dem Genozid verknüpft. Das erklärt die
Staatsdoktrin in dieser Frage seit 1923, entschuldigt allerdings
nichts. Immerhin, so Hosfeld, steht der Paragraf 305 des
Strafgesetzbuches, nach dem die Anerkennung des Völkermords an den
Armeniern als staatsfeindliche Propaganda geahndet werden kann,
inzwischen zur Diskussion. Auch fordern Wissenschaftler und
Journalisten wie der Chefredakteur des Massenblattes Hürriyet ein
Ende der Leugnungspolitik.

Wie die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema in der Türkei
aussehen wird, bleibt abzuwarten. Zumindest für die aktuelle Debatte
in Deutschland ist Rolf Hosfelds Abhandlung ein wichtiger Beitrag.
Denn er macht auch deutlich, dass Deutschland bei der noch
ausstehenden Versöhnung zwischen Türken und Armeniern nicht abseits
stehen kann. Es muss sich noch eingehender Rechenschaft über seine
Mitverantwortung am Genozid ablegen.

Taner Akcam: “Armenien und der Völkermord. Die Istanbuler Prozesse
und die türkische Nationalbewegung”. Hamburger Edition, Hamburg 2004,
430 Seiten, 16 Euro
Rolf Hosfeld: “Operation Nemesis. Die Türkei, Deutschland und der
Völkermord an den Armeniern”. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005,
351 Seiten, 19,90 Euro

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

Thousands march through Yerevan on eve of Armenian massacres

Agence France Presse — English
April 23, 2005 Saturday 7:56 PM GMT

Thousands march through Yerevan on eve of Armenian massacres
anniversary

YEREVAN

Over 10,000 people Saturday marched through the streets of Armenia’s
capital on the eve of the 90th anniversary of mass killings by
Ottoman Turks, demanding that Turkey recognize the episode as
genocide.

Meanwhile, Armenian President Robert Kocharian made a conciliatory
gesture towards Ankara, saying Yerevan would not ask for financial
compensations for the killings if Turkey recognized them as
genocidal.

“We are not talking about compensations, this is only about a moral
issue,” Kocharian told Russia’s Rossiya television, which is also
broadcast in Armenia.

“There is no talk about material consequences,” he added.

“We understand that we must look towards the future, and not the
past, although that should not be forgotten … We feel no hatred
today, only sorrow remains,” Kocharian said.

Thousands of demonstrators, mostly young people, marched through the
center of Yerevan, holding torches and chanting “Armenia!
Recognition!” as they proceeded towards a memorial commemorating the
1915 slayings.

“This is not a mourning march,” one of the organizers, Zinavor
Megrian, told AFP.

“Young people are demanding that the human rights that were violated
by Turkey many years ago be reasserted, and that Turkey recognize the
genocide,” added Megrian, who also belongs to the youth organization
of Armenia’s ruling party.

Armenians say up to 1.5 million of their kinsmen perished in
orchestrated killings between 1915 and 1917 as the Ottoman Empire,
the predecessor of modern Turkey, was disintegrating.

Ankara counters that 300,000 Armenians and thousands of Turks were
killed in “civil strife” during World War I when Armenians rose
against the Ottoman rulers and sided with invading Russian troops.

Many members of the Armenian diaspora worldwide came to Yerevan to
take part in Saturday’s march and Sunday’s official ceremonies, at
which organizers say 1.5 million participants are expected.

“This is a very important event for me, because it allows me to
express my discontent at countries that do not recognize the
genocide,” said 21-year-old Ami Aratelian, an Armenian woman from
Iran who was among the marchers Saturday.

“The Turks who committed this crime must answer for it not only
before the Armenians, but before the whole world,” said 16-year-old
Dvin Pipizian, from Canada.

Ceremonies will begin Sunday with the laying of a wreath at the
genocide memorial, which will be attended by Kocharian. A mass will
be celebrated later that day and a minute of silence will be observed
throughout Armenia at 7:00 pm (1400 GMT).

On Tuesday Poland joined a list of 15 countries that have officially
acknowledged the killings as genocide when its parliament passed a
resolution condemning the Armenian massacres.

The decision has already drawn protest from Ankara where officials
called it “irresponsible,” and said it would hurt relations.

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

Armenia seeks moral, not material compensation over ‘genocide’: prez

Agence France Presse — English
April 23, 2005 Saturday

Armenia seeks moral, not material compensation over ‘genocide’:
president

MOSCOW

Armenian President Robert Kocharian said on Saturday that by
demanding Turkey recognise the World War I massacres of their people
as genocide, Armenians were seeking moral, not material compensation.

“We’re not talking about (material) compensation, it is a moral
issue, the issue of the material consequences is not discussed at
state level,” he told Russian television, on the eve of the 90th
anniversary of the massacres.

On Sunday, Armenians around the world are to mark the beginning of
what they consider to have been the start of a genocidal campaign
that killed 1.5 million of their kinsmen in what was then the Ottoman
Empire.

Ankara counters that 300,000 Armenians and thousands of Turks were
killed in civil strife during World War I when the Armenians rose
against their Ottoman rulers and sided with invading Russian troops.

Turkey has refused to acknowledge the killings as genocide — some
observers believe out of fear it would have to pay out hefty
compensation and possibly give back land if it did.

Kocharian downplayed these fears, telling the RTR news programme
Zerkalo: “We understand that we need to look to the future, not the
past, although it should not be forgotten.”

The row over whether the killings amounted to genocide has
embarrassed Turkey as it readies for the start of European Union
accession talks later this year.

Ankara responded to this week’s run-up to the anniversary with
apparently greater willingness to review its history.

In a letter to Kocharian, Turkish Prime Minister Recep Tayyip Erdogan
proposed the creation of a joint Armenian-Turkish commission to
review the issue, though officials expressed confidence that the
study would confirm Turkey’s current position.

But Kocharian suggested the proposal did not go far enough.

“Yes I received it (the letter),” Kocharian said, “But I should say
that its contents are not heartening. I will send my reply in the
next few days.”

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

BAKU: Russian TV suspended over Armenian president’s interview

Russian TV suspended in Azerbaijan over Armenian president’s interview

Space TV, Baku
23 Apr 05

The rebroadcasting of Russia TV in Azerbaijan will be suspended for
half an hour at 2125 Baku time [1625 gmt] today. This decision was
taken by the Ministry of Communications and Information Technology and
the National TV and Radio Council.

The ministry press service said that the reason for the suspension was
an interview planned by the channel with Armenian President Robert
Kocharyan on the so-called genocide of Armenians.

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

Die Welt (in German): Turkey still sees itself as victim

Die Türkei sieht sich immer noch als Opfer

Die Türkei sieht sich immer noch als Opfer
Ankara fordert die Ã-ffnung aller Archive, um die Wahrheit über
die “armenische Tragödie” herauszufinden
von Boris Kalnoky

In Eriwan hängt eine Fotowand mit Bildern von 90 noch lebenden
Zeitzeugen
Foto: dpa

Istanbul – Wer dem türkischen AuÃ=9Fenminister Abdullah Gül
lange genug zuhört, dem beginnt die Türkei leid zu tun. Eine
kleine Gruppe geistig verwirrter Menschen, die nicht mehr wissen, wer
sie sind, bringt das unschuldige Land mit bösartigen Lügen in
derartige politische Bedrängnis, daÃ=9F am Ende noch der ersehnte
EU-Beitritt darunter leiden könnte.

Die Irren, von denen die Rede ist, sind “gewisse Teile der armenischen
Diaspora”, sagt Gül, “die an Schuldkomplexen und
Identitätsproblemen leiden”. Sie, die groÃ=9Fe Worte schwingen,
um Gerechtigkeit für ihr Volk zu fordern, weigern sich selbst,
irgend etwas für ihr Volk zu tun: “Ihren ganzen Reichtum, den sie
im Westen erworben hatten, müÃ=9Ften sie nach Armenien bringen.
Sie müÃ=9Ften selbst in die Heimat zurückkehren, wie die
Juden das mit Israel machen”, giftet Gül. Aber nein, die
Exil-Armenier sind zu geizig und bequem. Statt dessen verbreiten sie
Lügen über einen Völkermord, der, so Gül, nie
stattgefunden hat.

Am Sonntag gedenken die Armenier des groÃ=9Fen Sterbens, das vor 90
Jahren begann. Sie selbst und weite Teile der Weltöffentlichkeit
nennen es den ersten Völkermord der modernen Geschichte. Gül
und die türkische Regierung nennen es, wie alle türkischen
Regierungen seit den Greueltaten, neutral und ohne Schuldgefühle
eine “Tragödie”.

Insbesondere Gül hat jedoch erkannt, daÃ=9F die Genozidfrage
allmählich zu einem ernsten diplomatischen Problem wird.
Europäische Länder und Politiker, die einen EU-Beitritt der
Türkei verhindern wollen, fordern als Vorbedingung ein
Schuldeingeständnis, das politischen Selbstmord für jede
türkische Regierung bedeuten würde. Die Armenier nutzen
ihrerseits die Gunst der Stunde und drängen die Parlamente der
Staaten immer erfolgreicher dazu, die Massaker von 1915 bis 1923
offiziell als “Völkermord” anzuerkennen.

Die Türkei hat bislang nie mehr als defensive Allgemeinheiten zu
der Debatte beigetragen. Es herrschte Krieg, die Armenier machten mit
dem Feind gemeinsame Sache, daher war die Regierung gezwungen, sie zu
deportieren, lautet die Argumentation. Der Rest sei eine Folge
unglücklicher Umstände gewesen – mörderische Angriffe der
Lokalbevölkerung gegen die Deportierten, mangelnde Hygiene und
versagende Bürokraten, die aber oft für ihre Haltung vor
Gericht zur Verantwortung gezogen, teilweise sogar hingerichtet worden
seien.

DaÃ=9F das nicht genügt, hat Gül erkannt. Er steht an der
Spitze einer neuen türkischen Kampagne, die die
Weltöffentlichkeit mit Fakten und Argumenten überzeugen will,
daÃ=9F zwar viel Blut vergossen wurde, aber kein Völkermord
stattgefunden hat. Zentrale StoÃ=9Frichtung dieser Strategie ist die
Forderung, “alle Archive zu öffnen”. Dann werde man sehen, wer
recht hat.

Es ist ein geschickter Schachzug. Die Türkei hat wirklich ihre
Archive geöffnet, “sogar die Militärarchive”, sagt Gül.
“Wir sind dabei vollkommen ehrlich. Wenn wir etwas verstecken oder
zerstören würden und erst dann die Historiker an die Dokumente
lassen, dann würden die Experten das sofort merken. Wir sind also
völlig offen in dieser Sache.” Er fordert nun auch “Frankreich,
Deutschland und Armenien” auf, ihre Archive vorbehaltlos zu öffnen
und von Historikern auswerten zu lassen. Das richtet sich vor allem
gegen Armenien, das bislang offenbar keinen freien Zugang zu seinen
Archiven gewährt. Das zeigt die Türkei in gutem Licht, und
Armenien sieht so aus, als habe es etwas zu verbergen. Gül droht
nun gar, “wir werden versuchen, die Ã-ffnung der Archive zu
erzwingen”.

Die türkischen Staatsarchive haben es ihrerseits mit der “Wahrheit”
so eilig, daÃ=9F sie gar nicht erst auf die Historiker warten.
Kürzlich wurde aus Archivquellen eine Liste von Massakern an
türkischen Zivilisten durch armenische Gruppen zusammengetragen.
Laut türkischen Medienberichten ergibt sich daraus die
atemberaubende Opferzahl von mehr als einer halben Million
türkischer Zivilisten. Nach herkömmlicher türkischer
Auffassung starben “nur” etwa 300 000 Armenier in jenen Jahren. Ein
Genozid nicht also an Armeniern, sondern an Türken?

Man muÃ=9F schon genau hinsehen, um die entscheidende Schwachstelle
der türkischen Taktik zu erkennen. Die Staatsarchive enthalten
wahrscheinlich wirklich keinen Hinweis darauf, daÃ=9F die Vernichtung
eines groÃ=9Fen Teiles der armenischen Bevölkerung Staatspolitik
war, weil die Staatsorgane nicht mit der Umsetzung des Völkermordes
betraut waren. Neutrale, der Türkei wohlgesinnte Historiker wie
Erik J. Zürcher (Turkey – a Modern History, 1993, jüngste
Ausgabe 2001) weisen darauf hin, daÃ=9F die Opferzahlen wohl irgendwo
zwischen den Angaben beider Lager liegen, vermutlich bei 600 000 bis 800
000 Menschenleben, und daÃ=9F weder der formale Verwaltungsapparat
noch das Militär Order hatten, die Armenier als Volk zu
liquidieren.

Ein “innerer Kreis” der damals regierenden Jungtürken unter Leitung
von Innenminister Talaat Pascha habe jedoch vermutlich sehr wohl
beabsichtigt, die Armenier unter dem Deckmantel der Deportationen
auszurotten. Mit der Umsetzung seien jedoch weder Staat noch
Militär, sondern die ideologisch verläÃ=9Flicheren internen
Parteistrukturen betraut worden, vor allem die sogenannte
Spezialorganisation, ein ZusammenschluÃ=9F jungtürkischer
Offiziere, die in vielen Konflikten im In- und Ausland bereits als
Untergrundorganisation gewirkt hatten. Und hier kommt der springende
Punkt: Die Archive dieser Organisation sind zerstört, und jene der
Jungtürken (das Komitee für Einheit und Fortschritt) gelten
als verloren.

Die Ã-ffnung der türkischen Staatsarchive sieht mithin sehr gut
aus, ist aber vermutlich irrelevant. Wenn es je türkische Dokumente
gab, die einen Genozid belegen, dann waren sie nie dort.

Artikel erschienen am Sa, 23. April 2005
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© WELT.de 1995 – 2005

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

President Robert Kotcharian and President Jacques Chirac

President Robert Kotcharian and President Jacques Chirac

04/22/05

Visiting Armenian President Robert Kotcharian and his French
counterpart, Jacques Chirac stood before the Armenian Monument in
Paris, after laying a wreath Friday, April 22, 2005.

This weekend Armenia and Armenians all over the world mark the 90th
anniversary of what they call the genocide perpetrated by Turkey
between 1915 and 1917, killing up to 1.5 million Armenians.

Turkey rejects the claim, saying the number of deaths is inflated and
that the victims were killed in civil unrest during the collapse of
the empire.

The French parliament officially recognized the killings as a genocide
in 2001, one of several moves that strained ties between Paris and
Ankara. Last year, Chirac told Turkey it would have to recognize the
mass killings as genocide if it wanted to become a member of the
European Union, insisting the French would otherwise vote Turkey out
in a referendum.

(AP, Kovarik, pool) The Associated Press

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

UCLA: Students remember deaths of 1.5 million Armenians in 1915

March recalls genocide
_Friday, April 22, 2005_ ()

Stu dents remember deaths of 1.5 million Armenians in 1915 with campus rally

By Neal Larkins
( Larkins)
DAILY BRUIN CONTRIBUTOR
[email protected]

For a week now, students walking along Bruin Walk may have seen
grotesque images of the Armenian Genocide – emaciated children,
dismembered bodies and dead Armenians swinging from the noose.

These images were displayed in commemoration of the Armenian Genocide.

Thursday, Armenian and non-Armenian students at UCLA mourned and
condemned the genocide with a silent march throughout campus and a
rally at Bruin Plaza.

A bill recognizing the genocide was passed in the state Senate on
Thursday.

Armenian Student Association President Raffi Kassabian said the
graphic images are needed to inform students of the genocide.

“Many political science and 20th century history classes don’t talk
about the genocide,” he said. Approximately 50 students quietly
carried signs in memory of those killed in the genocide.

“Genocide unpunished is genocide encouraged,” read one commemorator’s
sign. Another called Mount Ararat “Turkey’s prize from the genocide.”

Armenians identify Mount Ararat with their 3,000-year-old historic
homeland.

On a very hot and bright day, for an hour-long outdoor march, all
participants wore black to remember what happened 90 years ago, as
their ancestors began a 19-day, 215-mile forced march through the arid
deserts of Syria.

This act began nine years of violence that Armenians say killed 1.5
million of their people.

The marchers were solemn, yet willing to answer the questions of
passersby, especially if in regard to the continuing Turkish denial of
genocide and the United States’ and other countries’ refusal to
classify the events as genocide.

“The unrelenting denial by the Turkish government deprives it of moral
standing in the international community,” said Armenian history
Professor Richard Hovannisian in an e-mail. He is currently in Armenia
for a genocide conference.

Some students feel that the Turkish denial both insults their past and
makes the world more hospitable to other perpetrators of genocide.

“By saying it didn’t happen, you deny our history,” said Johnny
Apikian, a fourth-year business economics student. “It may be cliche
to say history repeats itself, but it does.”

Armenian Americans have tried unsuccessfully to get the United States
to recognize the events as genocide.

Naz Koulloukian, a fourth-year communication studies student, said he
has been attending the annual protest at the Los Angeles Turkish
consulate since he was eight years old, and would be there again this
Saturday. He said his family’s history was forever altered after his
grandmother’s parents were killed by the Ottoman Turks, and his
grandmother was then raised in a Syrian orphanage.

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

http://www.dailybruin.ucla.edu/news/home.asp
http://www.dailybruin.ucla.edu/news/searchresults.asp?author=3DNeal

Armenian rememberance

940 News Radio, Canada
April 23 2005

Armenian rememberance
2005-04-23 11:55:30

This weekend marks the 90th anniversary of the Armenian genocide in
which a million-and-a-half Armenians were killed and tortured during
the 1915 genocide in turkey. At 7 Saturday evening, a special service
will take place at St. Joseph’s Oratory, to remember those who lost
their lives during the massacre. Religious leaders from Montreal and
a number of politicians are expected to attend the
multi-denominational mass. A number of the remaining survivors of the
genocide will also be in attendance.

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

Chicago: Armenians Protest 90th Anniversary Of Genocide

CBS2 Chicago, IL
April 23 2005

Armenians Protest 90th Anniversary Of Genocide

VIDEO: Alita Guillen reports.

CHICAGO (CBS 2) A somber anniversary was marked by emotional
demonstrations in Chicago Friday.

A group of Armenians protested outside the Turkish Consulate Friday
to mark the 90th anniversary of a conflict that left millions of
their ancestors dead and even more displaced.

The genocide of Armenians began 90 years ago this weekend.

Dozens of people protested today in front of the Turkish Consulate in
the names of their mothers, fathers and grandparents.

Some protested for relatives who perished.

`My grandfather and grandma, the Turks killed them in their village,’
said Hermin Kholamian.

Others spoke out for those who survived.

`My mother died here, but she escaped what was going on there,’
protester Maro Stathopoulos said tearfully.

Allegations include ethnic cleansing by the Ottoman Empire on their
Armenian neighbors in Eastern Turkey beginning in 1915. Photographs
captured images of mass graves and faces of refugees forced to flee.

99-year-old Matthew Klujian was forced from his home. His baby
brother died of starvation and his father was killed.

`They killed him with a hatchet,’ Klujian recalled.

The Turkish government admits Armenians were killed, but they said it
was not genocide, it was war.

`No Armenian was killed because they were Armenian and not for any
other reason,’ said Tuluy Tanc of the Turkish Embassy. `The reason
was a war.’

CBS 2 International Editor Marvin Zonis said whether war, or
genocide, the atrocities were real.

`Turkey bears the historical legacy of those days, and until Turkey
acknowledges that some mass slaughter occurred, this is not going to
go away,’ the historian said.

The Turkish government has recently reached out to the Armenian
government, suggesting they work together to research the event and
put an end to the disagreement.

Zonis believes this is a political move by the Turkish government,
which is trying to become a part of the European Union.

This has become a spiritual memorial for the Armenian people, and a
service will be held at Immaculate Conception at 4:00 p.m. on Sunday.
They expect nearly a thousand people at the service.

Video:

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress

http://cbs2chicago.com/topstories/local_story_113122833.html

NY: Rally marks genocide date

Times Herald-Record, NY
April 23 2005

Rally marks genocide date

As a lawyer, Richard Sarajian’s job is to fight for justice.
Tomorrow, his fight will be personal.
Sarajian, an Armenian from Chestnut Ridge, formerly of Monroe,
will attend a rally outside Times Square with thousands of Armenians
in hopes that the world will recognize a mass killing by the Turkish
Army that occurred April 24, 1915.
Sarajian, chairman of the National Executive Council of the
Armenian Apostolic Church of America, will be going in memory of his
grandparents, three of whom survived the genocide.
Church services will be held in the city from 9 to 11 a.m. at St.
Vartan Cathedral Church, 2nd Avenue and 34th Street, and at St.
Illuminator’s Cathedral, 27th Street between 2nd and 3rd avenues.

From: Emil Lazarian | Ararat NewsPress